
Bis zu 70 übereinander aufgetragene Farbschichten schaffen eine sich je nach Betrachtungswinkel verändernde Farb- und Raumwirkung
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Originalität und Geistestradition
Robert Schaberl, der an der Salzburger Hochschule „Mozarteum“ Kunstpädagogik studierte und schon mit 23 Jahren den „Ersten Preis für Originalität“ im Internationalen Klangmaschinenwettbewerb Dornbirn erhielt, erweist sich auch in seinen aktuellen Werken als – sanfter – Erzieher. „Ein Sinn wird nur von dem gefunden, der ihn sucht“ – dieses Wort des österreichischen Dramatikers Arthur Schnitzler, das als ein Motto die verschwenderisch mit der Kunst des ehemaligen Kaiserreiches um 1900 ausgestatteten Säle des Leopold Museums in Wien ziert, könnte auch über Schaberls Werk stehen.
Mehr noch: Wenn Hugo von Hofmannsthal 1902 die Worte im Mund zerfielen „wie modrige Pilze“, so gibt es von diesem Urtext der Moderne geradezu wurzelgeflechtartige lange Linien innerhalb der österreichischen Geistesgeschichte. Pilze und Zentralformen, scheinbar einfach. „Wovon man nicht sprechen kann, darüber muss man schweigen“, wie der österreichische Philosoph Ludwig Wittgenstein dazu ermutigt, die Grenzen des erkennenden Denkens weiter vorzuschieben.
Mit seinen Motiven und seiner Technik steht Schaberl noch in einer weiteren österreichischen Tradition. Er wählt den direkten Weg ins Unbewusste und verdeutlicht damit das Wort des Wiener Psychoanalytikers Sigmund Freud, dass das Ich nicht mehr Herr im eigenen Hause sei. Alles Interpretationen der antiken Aufforderung „Erkenne Dich selbst!“, die auf dem Türbalken mancher Lehranstalt mahnt.
Doch auch hier arbeitet Schaberl wiederum subtiler, selbst wenn es um ein Kunstwerk im riesenhaften Format von rund 3700 Quadratmetern geht: Das ist, aufgebracht auf über 2400 Glaspaneelen, der vorderen Fassade des Chemiegebäudes („Neue Chemie“) der Technischen Universität Graz vorgehängt. „Dass ich diesen internationalen Wettbewerb gewonnen habe, freut mich sehr“, sagt Schaberl im Rückblick, „hat doch die Fassade in der Architektur eine besondere Bedeutung im Erscheinungsbild nach außen.“
Rudern für das nächste Bild
Das Werk zeigt ein Molekül, dessen kreisförmige Atome mit zartem Auftrag von Colorstream®-Effektpigmente visualisiert sind: „Je nach Sonnenstand und Position des Betrachters kippen die Farbtöne zwischen Grün und Blau beziehungsweise Rostrot.“ Der Effekt ist verblüffend. Und während man von draußen die hinter dem Glas arbeitenden Menschen nur ahnen kann, ist ihr Ausblick kaum getrübt. „Zudem“, ergänzt Schaberl, „ist das einfallende Licht annähernd farbneutral, was für das Arbeiten in den Labors der „Neuen Chemie“ wichtig ist.“
Zurück im Atelier, setzt Schaberl sich wieder auf die Ruderbank, um seine Rückenmuskulatur für weitere Großformate zu kräftigen. Er rudert gegen einen Widerstand an, der von einem rotierenden, kreisförmigen Wassertank ausgeht – auch hier: Natur und Zentralformen.