„Ich könnte mir eine Kollektion meiner 15-jährigen Nichte vorstellen.“

Karsten Brandt, Geschäftsführer des Deutschen Tapeten-Instituts in Düsseldorf, über Trendwenden an den Wänden.

Gibt es ein internationales Comeback der Tapete oder ist dies ein eher deutsches Phänomen?


Karsten Brandt: Das Comeback der Tapete zeichnet sich international ab – sowohl für den Objekt- als auch den Privatwohnbereich.    

Spiegelt das Comeback der Tapete eine allgemeine Entwicklung des Lebensgefühls wider, etwa in Richtung Cocooning? Und: Was sagt eine Tapete über denjenigen aus, der seine Wände mit ihr schmückt?
 

Brandt: Sicherlich steigern die aktuellen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Bedingungen das Bedürfnis nach einem angenehmen Wohnambiente. In erster Linie ist das Comeback der Tapete aber im Trend hin zu mehr Farbe und Muster begründet. Und natürlich steht Tapete auch für das Bedürfnis nach Individualität, denn wer tapeziert, will individueller sein. Während man sich früher eher den gesellschaftlichen Regeln unterworfen hat, gewinnt heute das Entfalten der Persönlichkeit die Oberhand – Tapeten helfen mit ihrem umfangreichen Angebot an Stilrichtungen, Mustern und Materialien dabei.

Bei welchen Materialien, Stoffen und Farben sehen Sie im Hinblick auf Tapeten(weiter)entwicklung Zukunftspotenzial?


Brandt: Die diesjährige Messe Heimtextil hat erneut gezeigt, dass sich Farbtrends – wie in der Mode auch – immer wieder ändern. Zwar gibt es Farben wie Grün oder Lila, die seit geraumer Zeit in den Kollektionen auftauchen, doch auch das wird sicher temporärer Natur sein.
Der Trend weg von Papier hin zu Vlies wird weiter zunehmen, da Material auf Vliesbasis einfacher zu verarbeiten und strapazierfähiger ist. Zudem bietet Vliesmaterial vielfältigere Gestaltungsmöglichkeiten für die Oberflächen. Vliestapeten in Flockoptik oder mit Matt-Glanz-Effekten beispielsweise stehen hoch im Kurs.

Wird es Ihrer Meinung nach irgendwann eine Kombination aus Tapeten und Elektronik geben – zum Beispiel, was Lichteffekte oder Projektionen angeht?


Brandt: Mit Sicherheit. Es gibt bereits phosphoreszierende Tapeten oder Wandbeläge zur Abschirmung von Röntgenstrahlen und Elektrosmog. So sind auch elektronische Funktionen denkbar.  

Welche Eigenschaft hat nach Ihrer Einschätzung die Tapete der Zukunft?


Brandt: Sie ist noch einfacher zu verarbeiten, weiterhin für jedermann erschwinglich und umweltverträglich. Die Vielfalt an Designs und Materialeinsatz wird weiter zunehmen und natürlich wird es auch in Zukunft Nischenprodukte geben, beispielsweise solche mit elektronischen Funktionen.

Von welchem Designer würden Sie persönlich sich eine Tapetenkollektion wünschen?


Brandt: Dank Digitaldruck kann heute jeder Designer sein. Ich könnte mir zum Beispiel auch eine Kollektion meiner 15-jährigen Nichte gut vorstellen.
Goldene Regeln fürs Tapezieren

•Der Tapetenbedarf lässt sich leicht errechnen: Eine Tapetenrolle ist in der Regel 0,53 Meter breit, 10,05 Meter lang und ausreichend für fünf Quadratmeter. Daraus ergibt sich die Formel:
Raumumfang (Breite aller Wände) mal Raumhöhe geteilt durch fünf ist gleich Anzahl der benötigten Tapetenrollen.

•Türen und Fenster werden für die Verschnittreserve als Wandflächen mitgezählt. Bei Mustern müssen die Tapeten je nach Mustergröße mit Versatz geklebt werden, was den Bedarf erhöht. Hinweise dazu finden sich meist auf den Tapetenrollen.

•Ein Zimmer wirkt größer, wenn helle Tapeten mit kleinen Mustern oder Unis verwendet werden.

•Ein großer Raum wirkt kleiner durch diagonal verlaufende oder große Muster und kräftige Farben.

•Höher wirken Räume mit senkrechtem Tapetenmuster bis zur – möglichst hellen – Decke.

•Die Decke wirkt niedriger durch waagerecht ausgerichtete Tapetenmuster und eine eher dunkle Einfärbung.

•Eine Wand in zurücktretender Tapetenfarbe (zum Beispiel Blau oder Blaugrün) mit hellen Seitenwänden gibt Zimmern mehr Tiefe.

 

Karsten Brandt, Geschäftsführer des Deutschen Tapeten-Instituts
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Karsten Brandt, Geschäftsführer des Deutschen Tapeten-Instituts