Neue Tapeten braucht die Wand!

16.08.2010
Großformatige Muster, breite Farbpaletten und vielfältige Oberflächen: Das Comeback der Tapeten ist nicht nur der Designer-Kreativität zu verdanken. Auch stark verbesserte Materialeigenschaften – beispielsweise durch Effektpigmente von Merck – haben das Tapezieren wieder zu einem Wohntrend gemacht.

 

Muster, Farben, Materialien: Die Tapete kommt zurück
© Getty Images
Muster, Farben, Materialien: Die Tapete kommt zurück  
Von Weitem engelsgleiche, ephebische Erscheinungen, aus der Nähe bewegliche, schwarz-weiße Blüten: Eigentlich sind sie Skulpturen, die Models der schwedischen Avantgarde-Modedesignerin Sandra Backlund. Statuen, verhüllt mit schweren Strick-Objekten und – Tapeten! Papierbahnen im Dekor der späten 1960er-Jahre, gewunden um weibliche Körper, denen das rhythmische Tapetenmuster scheinbar eine neue Physiognomie verleiht. Sandra Backlund verblüffte mit ihrer Kult-Couture nicht nur die Berliner und New Yorker Modewelt, sie reflektiert gleichzeitig den unaufhaltsamen Trend zur Ästhetik der Flower-Power-Ära.

Optische Altlasten


Gleichzeitig wurde der Tapeten-Klassiker der deutschen Wohnzimmer abgewählt. Raufaser ist out. Das holzfaserdurchsetzte, dreilagige Papier war vor allem praktisch, leicht überzustreichen und ein leidlich guter Putz-Ersatz. Ganze Nachkriegsgenerationen sind in Raufaser-Wänden aufgewachsen, bis in den 1990er-Jahren die bis dato eher südländische Variante des Wand-Finishs entdeckt wurde: einfach übergestrichener Feinputz. Tapeten waren eine Zeitlang in „coolen“ Wohnungen absolut tabu. Zu schwer wogen noch die Erinnerungen an großflächige Foto-Scheußlichkeiten in Herbstwald- oder Neuschwanstein-Optik, gerne auch eingesetzt zur Dekoration von Jugendzimmern, Hobbyräumen oder Kellerbars. Tapeten galten einstweilen als unpraktisch, weil sie kratz-, reiß- und fleckempfindlich sind. Geduldet wurden sie allenfalls als Unitapeten mit unauffälliger Faden- oder Glasfaser-Struktur – oder eben als Raufaser.
Tapeten
© Merck
 
Auferstehung

Doch das Revival kam. Von Luigi Colani bis Karl Lagerfeld: Prominent besetzt ist die Liste der Designer, die heute neue Looks „aufs Tapet“ bringen. Ihre noblen Dekorationen mit meist großzügigen Mustern sind ebenso eindrucksvoll wie raumgreifend: Die volle Wirkung entfaltet sich erst über eine ausreichend große Fläche. Denn keine opulent gemusterte Tapete verträgt kleine, vollgestellte Zimmer. Auch die Retro-Designs im Stil der 1960er- und 1970er-Jahre mit ihren „psychedelischen“ Dekors in kräftigen Farben fordern viel Platz und Licht. Ansonsten ersticken sie den Raum.

Taktile Reize


Nicht zuletzt haben in Deutschland beliebte TV-Dekorateurinnen wie Tine Wittler oder Enie van de Meiklokjes die Tapete auch für kleinere Wände wieder zum Modethema gemacht. „Szenebars und Diskotheken schmücken sich schon länger mit auffälligen, bunten Tapeten. Jetzt sind die Wohnungen dran“, prophezeite van de Meiklokjes. Die Hersteller haben reagiert. Noch nie war die Vielfalt bei Oberflächen, Farben, Beschichtungen und Designs so groß wie derzeit. Gefragt sind auch Prägungen und goldene, silberne oder bronzefarbige Metalleffekte, ermöglicht durch Folien oder neuartige Interferenzpigmente, die durch Lichtbrechung einen speziellen Schimmer erzeugen. „Mattglanz- und Softtouch-Effekte sowie Metalloptiken sind Teil vielfältiger Tapetenstylings, die durch den Einsatz von Merck-Effektpigmenten in Kombination mit Heißprägung, Alcantara-Schaum oder aufgestreutem Granulat entstanden sind. Mercks Effektpigmente unterstreichen durch ihre Tiefenwirkung und Farbverläufe jedes Tapetendesign – egal, ob edel dezent, opulent oder poppig“, kommentiert Ines Kahlert, im Unternehmensbereich Chemie von Merck für das Marketing von Effektpigmenten für Druckanwendungen zuständig.
Außerdem, da sind sich Designer und Innenausstatter sicher, geht der Retro-Trend weiter. Diesmal allerdings dauert die ästhetische Zeitreise nicht nur Jahrzehnte, sondern gleich drei Jahrhunderte: Die Barocktapete ist wieder im Kommen und mit ihr luxuriöse Texturen, üppige Ornamente und klassische Farben.
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