Sie tun lassen, was sie lieben

Das Besondere des Kalenders ist, dass er Menschen mit der Diagnose Multiple Sklerose Hoffnung geben kann. Weil er Patienten zeigt, die sich von ihrer Krankheit nicht bestimmen lassen. Und auch, wenn Menschen in unterschiedlichen Phasen der Krankheit und mit eingeschränkter Mobilität zu sehen sind, so zeigen die Bilder sie mit Leidenschaft bei Tätigkeiten, die sie lieben.
Diane zum Beispiel: Sie ist auf dem Februar-Blatt zu sehen und ihr Porträt ist eines von Heathers Lieblingsfotos. Die Frau sitzt lachend am Klavier, die Finger scheinen über die Tasten zu fliegen. Man meint, Musik zu hören – fröhliche. „Diane ist 69 und so voller Leben, mehr als die meisten Menschen, die ich je getroffen habe. Und das, obwohl sie nicht nur an MS leidet, sondern bereits Brustkrebs überlebt hat. Wir haben während des Fototermins die ganze Zeit nur gelacht“, erzählt Heather. „Positiv“ steht unter Dianes Bild.
Die Produktion des Kalenders war auch für Heather eine Herausforderung. Das Wort, mit dem die Menschen sich selbst beschreiben, wollte die Kanadierin mit dem Foto darstellen. Sie habe nicht viel Zeit gehabt, die richtige Stimmung mit der Kamera einzufangen und ein Foto zu schießen, das die Person wirklich beschreibt. Ihr Trick: Sie ließ die Menschen das tun, was sie gern machen, damit sie vergessen, dass sie fotografiert werden. „Inspirierend“ hat die Lehrerin Sabrina für sich gewählt. Von ihren Schülern der achten Klasse umringt, steht sie lachend an der Schultafel, „einzigartig“, „lustig“, „besonders“ steht mit Kreide darauf geschrieben, als hätten sich die Schüler nicht entscheiden können, was sie an ihrer Lehrerin besonders lieben.
Jedem von Heathers Kollegen weist der Kalender den Weg durchs Jahr. „Meine Kollegen haben mich sehr unterstützt. Ich habe so viele Komplimente dafür bekommen. Meine Arbeit sei so inspirierend. Was ihnen nicht bewusst ist: Es ist nicht meine Arbeit, es sind die Menschen in dem Kalender, die inspirierend sind.“ Bill, der zum Jahresende den Menschen mit MS – in Kanada sind es zwischen 55 000 und 75 000 – mit seinem Lachen Hoffnung spendete, geht es mehr als zehn Jahre nach der Diagnose gut. „Ich erinnere mich, wie schwer die Anfangszeit mit MS war – aber das ist Vergangenheit. Heute habe ich gute Tage und schlechte Tage, aber die meisten sind gut. Um mehr kann ich nicht bitten. Ich bin sehr dankbar.“ Als „glücklich“ würde Heather indes sich selbst beschreiben. Glücklich, so viele Menschen getroffen zu haben, die ihr gezeigt haben, dass das Leben eine ganze Menge zu bieten hat. Dass das Leben das ist, was man selbst daraus macht.

 

Deckblatt des Kalenders
Das Deckblatt des Kalenders