Aus Ideengebern werden oft Projektleiter
Alle zwei Jahre machen die Mitarbeiter 300 bis 400 Vorschläge für neue Produkte, unter denen Experten 20 Erfolg versprechende auswählen. Diese Ideen gehen dann auf den „Innovationsmarktplatz“. Dabei sucht sich der Initiator des Vorschlags andere Mitarbeiter als Mitstreiter, stellt sein Projekt auf internen Innovationsmarktplätzen vor, diskutiert es und verbessert es ständig weiter. Nach etwa einem halben Jahr fällt die Entscheidung, bei der auch alle Merck-Mitarbeiter auf einer Merckschen Intranet-Plattform mitwirken können: Jährlich werden die fünf bis sechs besten Ideen ausgewählt und in das sogenannte „Innovation Bootcamp“ eingebracht: Dort wird in zwei Wochen harter Arbeit ein Geschäftsplan für die Idee ausgearbeitet. Sie wird dabei technisch, rechtlich, patentrechtlich und auf ihr Marktpotenzial hin untersucht.
Die Teams präsentieren daraufhin ihre Geschäftspläne einer „Grand Jury“, bestehend aus Mitgliedern der Managementkomitees von Merck Serono, Merck Millipore, Performance Materials und Consumer Health Care. Diese Jury wählt die vielversprechendsten Projekte aus und teilt das zur Verfügung stehende Budget zu. Danach beginnt die Forschungs- und Entwicklungsarbeit.
Zum ganzen Glück fehlt dann „nur noch“ der Erfolg am Markt. In jedem Fall gewinnen die Ideengeber interessante Erfahrungen für die weitere Karriere, neue Kontakte zu anderen Mitarbeitern aus dem ganzen Konzern, Training im Erstellen von Business-Plänen und die einzigartige Chance, ihre Ideen im eigenen Projektteam umzusetzen – ein Karriereaufstieg. Insgesamt wurden zehn Projekte, die „innospire“ durchlaufen haben, in die Forschung und Entwicklung übergeben. Ende 2012 könnte das erste Produkt auf den Markt kommen.
Ganz neu ist das Programm „innoseed“, das seit Januar 2011 existiert. Anders als bei „innospire“ kommt hier der Entwicklungsauftrag für die einzelnen Projekte direkt vom Management. Das Programm umfasst Forschungs- und Entwicklungsprogramme, von denen die beiden Sparten Merck Serono und Merck Millipore gleichzeitig profitieren, etwa eine neue Technologieplattform für Biomarker. Es ist mit acht Millionen Euro pro Jahr ausgestattet, die Forschungs- und Entwicklungsprojekte dauern rund zwei bis drei Jahre.
Ideen diskutieren mit Experten
Neben diesen innovativen Formen läuft mit dem Betrieblichen Vorschlagswesen ein Klassiker der Innovationsförderung erfolgreich weiter. Allein 2010 reichten bei Merck in Deutschland 2037 Mitarbeiter 4501 Verbesserungsideen ein. Gut die Hälfte wurde anerkannt und verwirklicht. Meistens bringen die Ideen Kosteneinsparungen in der Fertigung, oft erhöhen sie auch die Arbeitssicherheit. Dem Unternehmen brachte jede dieser Ideen im Durchschnitt einen Nutzen von 16248 Euro, der innovative Mitarbeiter profitiert über eine Geldprämie. Sie betrug 2010 im Schnitt 509 Euro.
Zusätzlich zu diesen unternehmensweiten Maßnahmen zur Förderung von Ideen gibt es auch in den internationalen Tochtergesellschaften von Merck und in den einzelnen Sparten Wettbewerbe sowie Auszeichnungen für gute Vorschläge der Mitarbeiter. Die Pharma-Sparte Merck Serono zum Beispiel veranstaltet sogenannte „Game Changer Workshops“, in denen Mitarbeiter mit externen Partnern – häufig Wissenschaftlern – neue Technologien und wichtige Entwicklungen im regulatorischen und Businessumfeld diskutieren. So tauschten sich Mitarbeiter von Merck Serono mit Experten des Massachusetts Institute of Technology (MIT) in Cambridge bei Boston über personalisierte Medizin aus.
Doch Merck Serono hat noch weitere Initiativen gestartet. Im „Merck Serono Innovation Cup“ werden einmal jährlich graduierte Studenten aus der ganzen Welt eingeladen. In einem einwöchigen Sommer-Camp lernen sie Merck Serono kennen und erfahren, was Forschung und Entwicklung in der Pharmaindustrie bedeutet. Die jungen Talente werden hier auch mit erfahrenen Ruheständlern von Merck Serono zusammengebracht. Im Zusammentreffen der Generationen werden in fünf Teams neue Ideen entwickelt und zu Geschäftsplänen ausgearbeitet.
„Der beste Geschäftsplan wird mit 10000 Euro belohnt. Auch ein Arbeitsplatz bei Merck ist nicht ausgeschlossen“, sagt Ulrich Betz, Leiter des Center of Innovation und zuständig für alle Innovationsförderprogramme bei Merck Serono. Zudem können andere Wissenschaftler im „Open Innovation Program“ Substanzen aus ihrer Forschung bei Merck einreichen und testen lassen. Sind diese für Merck interessant und werden sie vom Unternehmen weiterverwendet, winkt eine Erfolgsbeteiligung für den Wissenschaftler.