... und Tagore kam zum Tee

13.02.2012
Merck und Indien – das ist eine enge Beziehung, die über das Pharma- und Chemiegeschäft hinausgeht. Denn auch literarisch und musikalisch gibt es Bezüge zwischen Merck und dem Land, das zu den wichtigen Märkten des Unternehmens gehört.

 

Die Magie Indiens faszinierte schon viele Generationen der Familie Merck
Die Magie Indiens faszinierte schon viele Generationen der Familie Merck
© Getty Images  
Wenn Jon Baumhauer sagt, dass „Indien ein unglaublich reicher Subkontinent“ sei, dann spricht er nicht nur über pharmazeutische Ressourcen, nicht alleine über einen dynamisch wachsenden Markt für Pharma- und Chemieprodukte, sondern auch über ein Stück der eigenen Familiengeschichte: Als Merck im Herbst 2011 zu dem Abend „Begegnung mit Rabindranath Tagore“ einlud, eröffnete der Vorsitzende des Familienrates und des Vorstandes der E. Merck KG die Veranstaltung mit der Beschreibung des Besuchs Tagores im Haus von Baumhauers Großeltern – des Verlegers Kurt Wolff und dessen Ehefrau Elisabeth Wolff-Merck.
Der vor 150 Jahren geborene Literatur-Nobelpreisträger Tagore besuchte die Familie Wolff 1921 in München. Diese Deutschland-Reise führte ihn auch nach Darmstadt, wo die „Tagore-Woche“ stattfand. Das persönliche Treffen des Dichters mit dem Verleger-Ehepaar war Höhepunkt einer intensiven literarischen Beziehung.

Denn Wolff gab nicht nur deutsche Übersetzungen von Tagores Werken heraus, sondern Elisabeth Wolff-Merck hatte selbst das Bühnenspiel „Chitra“ ins Deutsche übertragen. Das Buch erschien 1914, im Jahr nach der Auszeichnung des indischen Dichters mit dem Nobelpreis. Im Draupadi-Verlag ist der damalige Bestseller im Mai 2011 zum Geburtstag Tagores als Neuauflage erschienen.
Rabindranath Tagore (oder auch Rabindranath Thakur) war 1913 der erste Nobelpreisträger aus einem asiatischen Land
Rabindranath Tagore (oder auch Rabindranath Thakur) war 1913 der erste Nobelpreisträger aus einem asiatischen Land
© Getty Images  
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Aufbruch nach Indien

Das magische, ferne Land Indien hatte die Familie Merck aber schon viel früher fasziniert: So brach Willy Merck im Jahr 1887 zu einer Weltreise auf; er war damals gerade 27 Jahre alt. Auf der „nach Umfang und Intensität erstaunlichen Reise“, sagt Sabine Bernschneider-Reif, Leiterin Corporate History, „spielte Indien eine entscheidende Rolle.“

Die Pharmaziehistorikerin macht anhand von Archivalien der Unternehmenssammlung eine Reise anschaulich, die von Neugier und Offenheit gegenüber der anderen Kultur ebenso geprägt war wie vom Geschäftssinn des jungen Darmstädters.
„Besuche bei wichtigen Persönlichkeiten und auf Basaren“, sagt Bernschneider-Reif, unternahm Willy Merck „bereits mit Blick auf zukünftiges wirtschaftliches Engagement“. Unter anderem ist dem jungen Wissenschaftler klar, wie groß das Potenzial der Pflanzenwelt Indiens ist – was aufmerksam registriert wurde bei Merck, schließlich gehörte die Naturstoffchemie zu den Wurzeln des Geschäfts. Sowohl als Lieferant von Rohmaterialien wie als Absatzmarkt für die eigenen Produkte erscheint das faszinierende Land mit seiner viele Jahrhunderte alten Medizinkultur attraktiv.
Was der junge Merck-Spross im späten 19. Jahrhundert in Briefen nach Hause schreibt, nimmt sich aus heutiger Sicht visionär aus. Denn gerade in den vergangenen Jahren hat Indien eine immer wichtigere Rolle für Merck gespielt: 2008 bezeichnete Karl-Ludwig Kley, der Vorsitzende der Geschäftsleitung der Merck KGaA, den Subkontinent als einen Schwerpunktmarkt für die nahe Zukunft.

Und im Oktober 2011 betonte Kley: „Ich bin seit meinem Amtsantritt bei Merck nie so optimistisch aus Indien abgereist wie in diesem Jahr. Ich sehe keinen Grund, warum wir unser zweistelliges Wachstum hier nicht fortsetzen sollten.“

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