Gesungen wird überall

„Wenn es die Zeit erlaubt, wird man sich sicher Sprachkenntnisse aneignen wollen“, sagt Schroth. Eine Stunde mit dem Muttersprachler zwischen Terminen, ein Online-Kurs, alles hilft. Denn oft reichen schon basale Vokabeln und einfache Sätze, um die Gastgeber zu erfreuen und ihnen zu zeigen, dass man sich bemüht. Das sichert Wohlwollen und bahnt den Weg ins Englische. Und löst scheinbar triviale Probleme: Nicht einmal in der Weltstadt Tokio ist es sicher, dass man sich dem Taxifahrer auf Englisch verständlich machen kann.

Zur kulturellen Grundkompetenz – in geschäftlichen wie in privaten Dingen – gehört zu wissen, was sich nicht gehört: Soziale Tabus, deren vielleicht bekanntestes das verpönte Naseputzen in Teilen Asiens ist, wollen gekannt sein. In Vietnam ist es unschön, ein Geschenk weiß zu verpacken, weil dies die Trauerfarbe ist. In Arabien, ein Geschenk auszuschlagen, woran auch ein längerer Vortrag über die zu Recht gebotene Vorsicht in Bezug auf die Annahme von Gaben nichts zu ändern vermag. In manchen Teilen Asiens, selbst ein Geschenk zu überreichen, ohne ausführlich über dessen Geringfügigkeit zu sprechen. Oder aber, eine liebe Gabe in letzter Minute, kurz vor dem Abflug, zu überreichen, sodass der Gastgeber sich nie revanchieren kann. Besonders anspruchsvoll, und das in aller Welt, sind die Feinheiten der zwischengeschlechtlichen Höflichkeit sowie des jeweiligen Humors.

Gute Netzwerke helfen: Kontakte zu Kollegen vor Ort, zur Handelskammer oder auch im Internet. Der Verein Deutsche im Ausland e.V. zum Beispiel hilft, erfahrene Landeskenner zu finden. Eine Datenbank, in der sich vom Deutsch sprechenden Arzt bis zum löblichen Metzger alles Wichtige findet, betreibt er ebenso.
Wohin auch immer Karriereschritte führen, von überall auf der Welt lässt sich auch etwas mitnehmen: Sprachkenntnisse, die amerikanische Can-do-Mentalität, französisches Savoir-vivre, chinesischer Netzwerk-Geist, südamerikanische Improvisationskunst. Eines allerdings darf dabei nicht zu Hause vergessen werden: Ein Sinn für die eigene Identität. Denn unsere Gastgeber möchten uns nicht in ihrer Kultur auflösen, sondern auch etwas über unsere eigene erfahren. Einst kam ein Gast in die Klemme, weil auf einem vietnamesischen Fest die übrigen Anwesenden durch die sorgsam vorbereitete Willkommensdarbietung deutscher Volkslieder glänzten, deren Texte ihm partout nicht einfallen wollten. Ihn rettete „Hänschen klein“, schön laut.

Einblicke in eine fremde Welt

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Dieter Schroth
© Merck
Dieter Schroth, Leiter Performance Chemicals: Herausforderungen am anderen Ende der Welt