Am 31. Januar 2010 konnten einige hundert britische Fußballfans das Spitzenspiel der englischen Premiere League zwischen Arsenal London und Manchester United in einer neuen Dimension erleben. Der TV-Sender BSkyB hatte an jenem Sonntag den Testbetrieb für sein 3D-Fernsehen gestartet und dafür landesweit neun Pubs mit speziellen Großbildschirmen bestückt. Die Zuschauer verfolgten die Pässe, Flanken und Torschüsse nun auch in der Tiefe des Raumes. Das Spielfeld verlängerte sich optisch bis in die Kneipe, während die Spieler zum Greifen nah wirkten.
Der Mensch kann seine Umgebung dreidimensional erfassen, weil die Augen immer zwei Bilder gleichzeitig an das Gehirn übermitteln. Dort werden die unterschiedlichen Blickwinkel in die drei geometrischen Maße eines Gegenstandes, Höhe, Tiefe und Breite, übersetzt.
Kamera-Augen
Die acht 3D-Kameras, die BSkyB zur 3D-Premiere überall im Stadion platziert hatte, arbeiten nach dem gleichen Prinzip. Jede von ihnen verfügt über zwei Linsen, die in etwa so weit auseinanderliegen wie die Augen eines Erwachsenen. Damit zeichnen sie jeweils parallele Bilder auf: eins für das rechte und eins für das linke Auge. Anschließend wurden die Bilder per Übertragungswagen ins Land geschickt.
In 3D konnten das Spiel allerdings nur die Gäste in den neun Pubs sehen. Denn nur sie standen vor einem speziellen Flüssigkristall-Flachbildschirm, auf dem beide Bilder gleichzeitig abliefen. Sie waren vorher so polarisiert worden, dass die Fans mit Hilfe von 3D-Brillen die Bilder rechts und links richtig zuordnen konnten. Die Polarisation beschreibt die Richtung, in der eine Lichtwelle schwingt. Mit Hilfe von Gläsern, in die optische Gitter eingearbeitet sind, die entweder nur vertikal oder nur horizontal schwingende Lichtwellen passieren lassen, können die Lichtwellen daher gefiltert werden.
Für die Hersteller von TV-Bildschirmen war die öffentliche Premiere des 3D-Fernsehens ein lang ersehnter Startschuss. Denn nach dem rasanten Wachstum seit Anfang des Jahrzehnts waren die Umsätze mit LCD-Fernsehen 2009 erstmalig gesunken. Die 3D-fähigen Varianten sollen dem Markt nun neue Impulse verleihen. Marktforscher prognostizieren, dass bis 2018 rund 64 Millionen Geräte pro Jahr verkauft werden. Dafür aber müssen nun die Inhalte her.
Premiere für das 3-D-Fernsehen
Auf der Suche nach dem optimalen Bild
3D-Sendungen lassen sich auf unterschiedliche Art und Weise erzeugen. Das Polarisationsverfahren, wie es BSkyB bei seinem Pilotprojekt nutzte, wurde bereits Ende der 1930er-Jahre als Alternative zum Anaglyphenbild, das mit Rot-Grün-Brillen arbeitet, entwickelt (vergleiche dazu auch den Hintergrundkasten). Zwar sind die Brillen für beide Verfahren relativ günstig, weil sie keine eigene Elektronik benötigen. Allerdings weisen beide Verfahren den Nachteil auf, dass die Auflösung und damit die Brillanz und Konturenschärfe der Bilder sinkt. Der Grund: Um die Bilder gleichzeitig auszustrahlen, wird das Bild für das rechte Auge über die erste, dritte, fünfte usw. Bildschirmzeile und das Bild für das linke Auge über die zweite, vierte, sechste usw. Bildschirmzeile dargestellt. Die Anzahl der pro Bild dargestellten Bildpunkte halbiert sich dadurch.
Bei 3D-Filmen, die mit Shutter-Brillen betrachtet werden, ist das jedoch nicht der Fall. Hier werden die Bilder nicht gleichzeitig, sondern nacheinander ausgestrahlt. Beispielsweise erzeugt ein Monitor, der mit einer Bildwiederholrate von 100 Hertz arbeitet, 50 Bilder pro Sekunde für jedes Auge. Dafür dunkelt die Shutter-Brille, die über eine Infrarot-Antenne mit dem Monitor gekoppelt ist, im Wechsel einmal das rechte und einmal das linke Auge ab. Jedes Auge sieht das Bild daher mit der vollen Auflösung.
Das Problem dabei: Selbst bei einer Wiederholrate von nur 50 Hertz sehen die Zuschauer unter bestimmten Blickwinkeln noch ein störendes Flimmern. Dieser Effekt tritt dann auf, wenn der Bildwechsel so langsam erfolgt, dass die Trägheit des Auges ihn nicht mehr ignorieren kann. In Kombination mit Shutter-Brillen reichen Bildschirme mit einer Wiederholrate von 100 Hertz daher nicht aus. Höhere Frequenzen sind wünschenswert – und Geräte mit 200 Hertz bereits im Markt erhältlich.

Animierte Grafik zur Funktionsweise von 3D-Kino auf Seite 2