Üben für den unwahrscheinlichen Fall

Die Übung mit so vielen Partnern auf dem Werksgelände spiegele auch die tatsächliche Arbeit der Werkfeuerwehr wider, sagt Jürgen Warmbier, Leiter der Einheit Feuerschutz und Standortsicherheit von Merck in Darmstadt: „Wir arbeiten traditionell eng mit den öffentlichen Hilfsorganisationen zusammen.“ Das betreffe aber nicht nur Einsätze der Feuerwehr in Darmstadt, sondern auch großräumige Kooperationen. Hier nennt Warmbier unter anderem das „Messkonzept Südhessen“, für das Merck in Seminaren Fachwissen vermittelt, sowie das Transport-Unfall-Informations- und Hilfeleistungssystem (TUIS) der chemischen Industrie in Deutschland.
Dass ein Szenario wie der in der Übung simulierte Unfall mit Flusssäure im Werk tatsächlich Realität wird, sei sehr unwahrscheinlich, sagt Dr. Peter Schäfer, Abteilungsleiter bei der Werkfeuerwehr von Merck und für die Gefahrenprävention zuständig. Zur Aufgabe der Brandschützer gehöre schließlich auch, bei der Auslegung neuer Produktionsanlagen mitzuwirken, um Risiken für Mitarbeiter, Anwohner und Umwelt zu minimieren. Der erfolgreichste Einsatz der Feuerwehr ist eben derjenige, bei dem es gar nicht zum Alarm kommt.

Großübung auf dem Werksgelände von Merck

Bild {count} von {total}
image_content
 
zoom in
TUIS: Fachwissen für die Sicherheit

Merck und andere Chemieunternehmen aus Deutschland und Österreich stellen das Know-how ihrer Werkfeuerwehren über das Transport-Unfall-Informations- und Hilfeleistungssystem (TUIS) der Allgemeinheit zur Verfügung. Seit 1982 gibt es dieses System, das auf drei Stufen basiert: Grundlegende Informationen werden durch Telefonberatung übermittelt (Stufe 1). Komplexere Aufgaben lösen Fachberater am Einsatzort (Stufe 2). Bei Stufe 3 rücken die Werkfeuerwehren selbst mit ihrem Spezialgerät aus. Im Jahr 2009 wurde TUIS für rund 1000 Einsätze bei Transportunfällen in Anspruch genommen. Dazu zählten 186 Hilfeleistungen der Stufe 3 durch Werkfeuerwehren.
Die in Europa zunächst einzigartige Kooperation von Industrie und Hilfsorganisationen hat Maßstäbe gesetzt: TUIS diente als Vorbild für das 1992 vom europäischen Chemieverband (Cefic) eingerichtete International Chemical Environment Programme (ICE). Im ICE sind die nationalen Hilfeleistungssysteme gebündelt, um schnelle und professionelle Unterstützung bei Transportunfällen in Europa leisten zu können.

 

Peter Schäfer, Abteilungsleiter Werkfeuerwehr, zuständig für Gefahrenprävention
© Peter Thomas
Peter Schäfer, Abteilungsleiter Werkfeuerwehr, zuständig für Gefahrenprävention