„AR-Mada“ - Aller-Retour Madagaskar

16.08.2010
Um Kranke in ländlichen Regionen der afrikanischen Insel Madagaskar zu versorgen, haben sich ein ehemaliger Kapitän und der Leiter eines Unternehmens zusammengetan. In Zusammenarbeit mit staatlichen Einrichtungen stärken sie seit dem Jahr 2000 mit jährlich neun Missionen nachhaltig das staatliche Gesundheitssystem des Landes.

 

Medizinische Versorgung der madagassischen Landbevölkerung ist das Ziel von AR MADA. Merck hilft finanziell und logistisch
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Medizinische Versorgung der madagassischen Landbevölkerung ist das Ziel von AR MADA. Merck hilft finanziell und logistisch  
30 Grad Celsius im Schatten um 6:30 Uhr in der Frühe. In Begidro, einem Dorf im Westen Madagaskars, warten schon viele Menschen aus der Region auf die Ärzte von AR-Mada. Offene Wunden, Haut-Abszesse und heftige Zahnschmerzen machen ihnen in der Hitze zu schaffen. 368 Personen behandelt das Team innerhalb von nur zwei Tagen. Und es geht weiter: danach in Betomba 119 Patienten sowie 490 allein in Tsaraotana. 225 Zähne wird der mitreisende Zahnarzt ziehen. Dorfschulen dienen den Dermatologen, Chirurgen, Allgemeinmedizinern, Krankenschwestern und Helfern als Praxen.

Ambulantes Ärzteprojekt „AR-Mada“

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Jeder hofft auf Hilfe

Marielle Berthier, Marketingassistentin bei Merck Médication Familiale (MMF) in Frankreich , verteilt Medikamente und erklärt, wie viel von welcher Arznei nötig und wie sie einzunehmen ist, welches Puder, wie viel Wasser, wie häufig Sirup für das Baby. Ein Arzt und ein Übersetzer stehen ihr zur Seite. „Überall fehlt sauberes Wasser“, sagt Berthier. Armut, Unterernährung und mangelnde Hygiene führen zu chronischen Krankheitsbildern: Haut- und Augenentzündungen, Kinder mit Fehlbildungen. Spul-, Fadenwürmer und Zecken verursachen schwere Infektionskrankheiten. Niemand hier kann die Behandlung bezahlen. Jeder hofft auf Hilfe.

Eine ortskundige Besatzung steuert die Mediziner und ihre große Metallbox voller Medikamente in einem Holzboot von Dorf zu Dorf über den Fluss, der in diesem Jahr viel zu wenig Wasser führt. „Einer muss immer wieder aussteigen, damit das Boot nicht auf eine Sandbank läuft“, sagt Berthier. Nachmittags steigt das Thermometer am Fluss Tsiribihina auf 45 Grad. „Viele Patienten haben einige Stunden Fußmarsch hinter sich.“ Zehn Kilometer Entfernung bis zur nächsten Behandlungsstation sind keine Seltenheit, chronische Krankheiten und Notfälle die Folge. AR-Mada bringt medizinische Hilfe in Regionen, die nur schwer zu erreichen und von jeder gesundheitlichen Fürsorge abgeschnitten sind.

„Die Unterschiede auf der Insel sind offensichtlich“, sagt Berthier. Während die Hauptstadt Antananarivo im Autoverkehr erstickt, gehen die Madagassen in den ländlichen Gebieten zu Fuß oder spannen ein Zebu vor den Karren. Nicht einmal 15 Prozent der Straßen und Wege auf der Insel sind asphaltiert. Der Rest sind Schotterpisten, unpassierbar bei Regen.

Medikamente sind knapp. In den ländlichen Gesundheitszentren fehlen Präparate gegen Salzverlust bei Durchfall, Antibiotika, Schmerzmittel. Mit Pflegekräften, Hebammen, aber oft ohne Arzt, bilden sie das Rückgrat der öffentlichen Gesundheitsfürsorge. Die „Centres de Santé de Base I und II“ (siehe Kasten) impfen, versorgen Schwangere und helfen bei unkomplizierten Entbindungen. Ärzte in den Bezirks-Hospitälern arbeiten ohne Spezialisten und selbst ohne einfache Analyseinstrumente wie etwa Teststreifen. Röntgen- und EKG-Geräte sind nicht vorhanden oder veraltet. Die Ausbildung des Personals hängt von internationaler Hilfe ab. Hygiene- und Lebensmittel fehlen, die Sterberate in den Krankenhäusern ist hoch. Sechs gut ausgestattete Universitätskliniken gibt es in der Hauptstadt Atananarivo und anderen Großstädten. Sie sind für die meisten unerreichbar.

Die Patientenzahl von AR-Mada wächst. Seit Januar 2000 versorgten die Ärzte mehr als 100.000 Patienten. Die gemeinnützige Organisation beschickt seit ihrer Gründung 1999 jährlich neun humanitäre Missionen. Jede dauert zwei Wochen. „Wir hatten mehr als 60 Exkursionen mit 900 Ärzten und Krankenschwestern“, sagt Christian Gros, einer der Gründer und Chef der Organisation.

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