WHO: Aktion gegen Würmer 
  

Wie bei der Entwicklung vieler wertvoller Arzneimittel halfen auch bei Cesol glückliche Zufälle: „Die Forschungsinteressen waren eigentlich andere, als der Wirkstoff vor rund 30 Jahren bei Merck entdeckt wurde – man ist dann darauf gestoßen, dass Praziquantel gegen allerlei Würmer wirkt. Es wird sowohl vom Menschen als auch von Nutztieren gut vertragen und ist auch wegen seiner veterinärmedizinischen Verwendung seither in der Produktion geblieben“, erzählt Dr. Knackmuß. Mit der WHO-Kampagne „Action Against Worms“ („Aktion gegen Würmer“), die zum Tropenkrankheiten-Bekämpfungsprogramm der Organisation zählt, kam dann die Anfrage an Merck, das Medikament zur Verfügung zu stellen. „Ich sah mir den Zehnjahresplan an und dachte: Das ist überschaubar und  organisierbar. Eine gute Idee mit den richtigen Prioritäten: Die wichtigsten Länder liegen in Afrika südlich der Sahara, die Zielgruppe sind Schulkinder, da diese die Hilfe am nötigsten haben.“ 

Den Kreislauf durchbrechen 
  

Vor Ort konnte sich Jürgen Knackmuß überzeugen: Die Lehrer waren vorbereitet und den Schulkindern waren die Gefahren der Krankheit und die Bekämpfung der Würmer erklärt worden. „Wir sind hoch motiviert nach Hause gekommen und haben gesagt: ‚Es funktioniert!’ Und das haben wir mittlerweile auch aus anderen Ländern bestätigt bekommen. Die Helfer passen sich lokalen Gegebenheiten an, sie kommen auch in Ländern mit ganz anderen Strukturen zurecht und sind erfolgreich. Zum Beispiel in Nigeria und der Zentralafrikanischen Republik – auch von dort sind die Berichte sehr ermutigend.“
Jahr für Jahr, Land um Land wird die Initiative nun fortgesetzt werden – denn nur wenn aus den Schulkindern von heute gesunde Erwachsene werden, können sie dazu beitragen, ein besseres Leben für die Menschen ihrer Nationen aufzubauen – und eines Tages auch die hygienische Infrastruktur, in der der Kreislauf von Parasit, Schnecke und Mensch für immer durchbrochen werden kann. Das wäre dann das Ende der vor über 150 Jahren erstmals wissenschaftlich beschriebenen Menschheitsplage.

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Betroffen von Bilharziose sind vorwiegend Kinder im Schulalter
© Merck
Nahezu 85 Prozent aller infizierten Menschen leben in Afrika südlich der Sahara. Betroffen sind vorwiegend Kinder im Schulalter zwischen sechs und 15 Jahren, doch gehören gebärfähige Frauen, Bauern und Fischer zu weiteren Hochrisikogruppen