Legionellen: Die stäbchenförmigen Bakterien kommen in Süß- und Salzwasser vor
Legionellen: Die stäbchenförmigen Bakterien kommen in Süß- und Salzwasser vor
© Mauritius  
Die dritte Probe wird so behandelt, dass sich auf dem Filter möglichst nur noch Legionellen befinden. Ralph Elbert nutzt hierfür eine Filterbank von Merck Millipore, auf der er arbeitssparend drei Proben zugleich bearbeiten kann. Auch hier ist wieder höchste Sorgfalt notwendig. Mit einer Pinzette holt er einen feinporigen Filterträger („Damit sich der Unterdruck gleichmäßig verteilt!“) aus einem braunen Becherglas von Ethanol, flammt ihn ab und setzt ihn auf den Stutzen der Filterbank.

Darauf entnimmt er einem luftdichten Schlauchblister den Membranfilter von 47 Millimetern Durchmesser: „Dessen Porengröße liegt bei 0,45 Mikrometer, sodass größere Bakterien, wie auch Legionellen, zurückgehalten werden.“ Dann setzt er einen sterilisierten Trichter auf, füllt exakt 100 Milliliter der Probe ein, setzt einen Deckel darauf und schaltet den Kompressor an. Der erzeugt einen Unterdruck von rund 13 Millibar – binnen Sekunden sind drei Proben filtriert.

Die Filtermembran wird dann noch weiter behandelt. So wirkt ein Säurepuffer mit einem pH-Wert von 2,2, der die Begleitflora abtöten soll, fünf Minuten lang auf sie ein: „Die Legionellen bleiben in der Einwirkzeit vom niedrigen pH-Wert unberührt.“ Abschließend legt Ralph Elbert die Membran auf eine Agarplatte. Diesem Nährboden sind noch Substanzen wie Fungizide und Antibiotika beigemischt, die das Wachstum der Begleitflora hemmen. Ab in den Brutschrank damit, wo sich die Legionellen bei ihrer Wohlfühltemperatur von 36 Grad Celsius eine gute Woche lang vermehren können.

Daniel Schäfer, Leiter der Mikrobiologie des Labors, tritt danach mit einer solchen Petrischale zur Beurteilung ans Fenster und zeigt auf einige grüngraue Flecken: „Jeder dieser Flecken“, erläutert der promovierte Biologe, „ist eine Kolonie aus Legionellen, die sich aus einem Bakterium gebildet hat.“ Unter Berücksichtigung der Probenmenge ergibt die Zahl dieser Flecken die Anzahl der „Koloniebildenden Einheiten je 100 Milliliter“, wie es der Gesetzgeber vorschreibt.

Ist der Befund positiv, so müssen die Bakterien in dem untersuchten System abgetötet werden: „Am besten, indem man es über kurze Zeit mit wirklich heißem Wasser von über 70 Grad Celsius erhitzt“, erläutert Schäfer. Danach kann keine Legionelle mehr das Wasser trüben.
Trinkwasser in Deutschland: eine klare Sache

Maßstab für die Trinkwasserqualität in Europa ist die EU-Richtlinie 98/83 „Über die Qualität von Wasser für den menschlichen Gebrauch“. Diese setzen die Mitgliedsstaaten in jeweils unterschiedlicher Ausprägung um.

In Deutschland wacht darüber die Trinkwasserkommission des Bundesministeriums für Gesundheit und Soziale Sicherung. Über die Selbstverpflichtung des Handwerks innerhalb des „Deutschen Vereins des Gas- und Wasserfaches e.V.“ spannt der Gesetzgeber die allein verbindliche „Trinkwasserverordnung“ in ihrer jeweils neuesten Fassung.

Danach müssen Eigentümer von „Großanlagen zur Trinkwassererwärmung“ diese überprüfen lassen. Verstanden werden darunter Speicher-Trinkwassererwärmer oder zentrale Durchfluss-Trinkwassererwärmer von mehr als 400 Liter und/oder drei Liter in jeder Rohrleitung zwischen dem Abgang des Trinkwassererwärmers und der Entnahmestelle.

Die Regelung gilt für alle Eigentümer, die einer öffentlichen oder gewerblichen Aufgabe nachkommen, also nicht nur für Schulen, Krankenhäuser und Sportanlagen, sondern auch für Vermieter und Mitglieder einer Eigentümergesellschaft.

Diese müssen unter anderem unaufgefordert den Leitungsstand dokumentieren und grundsätzlich jährlich von einem akkreditierten Labor systemisch auf Legionellen untersuchen lassen. Diese Ergebnisse sind dem zuständigen Gesundheitsamt zu übermitteln.

Maßnahmen müssen dann ergriffen werden, wenn der „Maßnahmewert“ erreicht ist, den die Verordnung auf „100 Koloniebildende Einheiten je 100 Milliliter Trinkwasser“ festlegt.