Dieser Anspruch zahlt sich aus. So haben die Firmen Merck und Plastic Logic im April 2010 gemeinsame Pläne für die Entwicklung, Erprobung und Vermarktung neuer organischer Halbleiter vorgestellt. Plastic Logic hatte kurz zuvor mit dem QUE™ proReader das weltweit erste elektronische Lesegerät im DIN A4-Format vorgestellt, das auf einem flexiblen ePaper-Display und Materialien von Merck basiert. Das Unternehmen entwickelt seine Produkte in Cambridge und fertigt sie in Dresden. Im Rahmen des jüngsten Projekts will es dort nun in zusätzliche Produktionsanlagen investieren, um die Einführung der lisicon®-Materialien in die Massenproduktion zu beschleunigen.
Weitere Kooperationen dieser Art bestimmen den Alltag der Merck-Forscher auch jenseits der Entwicklung innovativer Displays, denn das Potenzial der organischen Halbleiter beschränkt sich keineswegs auf bildgebende Technologien. Vielmehr eröffnen sie völlig neue Anwendungen, die Siliziumtechnik nicht erschließen könnte.
Weltweit arbeiten die Experten bei Merck daher an neuen Einsatzgebieten für die druckbare Elektronik. Etwa an Leuchtdioden, die Strom sparend Licht aussenden und als großflächige Leuchttapeten produziert werden. Oder an Transistoren, die als Radio Frequency Identification (RFID)-Etiketten in der Warenlogistik zum Einsatz kommen. Oder an Sensoren, die Umweltparameter wie Helligkeit, Druck, Temperatur oder Feuchtigkeit messen und zum Beispiel als Einweg-Messgeräte in der medizinischen Diagnostik zum Einsatz kommen.
Schließlich verspricht die neue Technologie, dem Klimaschutz neue Impulse zu verleihen. So können leichte, organische Fotovoltaikzellen, die Sonnenlicht in elektrische Energie wandeln, kostengünstig auf Folie gedruckt und großflächig auf Häuserfassaden geklebt werden. "Damit ließe sich die Nutzfläche für die fotovoltaische Stromerzeugung in vielen Bereichen vervielfachen", blickt Canisius in die Zukunft. Er und sein Team suchen daher intensiv nach Materiallösungen, um die Wirkungsgrade dieser Fotozellen auf ein wirtschaftlich sinnvolles Maß zu steigern.
Sollte das gelingen, winkt sogar ein umweltfreundlicher Überfluss, schickt die Sonne in einer Stunde doch so viel Energie auf die Erde, wie die Menschheit in einem ganzen Jahr verbraucht.

 

 

Johannes Canisius, Leiter der Abteilung Forschung und Entwicklung am Chilworth Technical Centre
© Merck
Johannes Canisius, Leiter der Abteilung Forschung und Entwicklung am Chilworth Technical Centre