Gedreht auf 35-mm-Film
Kadar ist locker. Er arbeitet hoch konzentriert, freundlich und zugewandt – ohne jegliche Starallüren. Industriefilme sind für ihn, der schon allerhand Spielfilme gedreht hat, die eigentliche hohe Kunst: „Dabei haben wir technisch gesehen die meisten Möglichkeiten. Und wir müssen eine Geschichte sehr überzeugend in kürzester Zeit erzählen.“ Das sei eine Herausforderung, vor der so mancher Spielfilmregisseur scheitere – wobei sehr bekannte Namen fallen: „Ich kenne die ja alle.“
Überdies bewegt sich der Regisseur immer in einem Umfeld, das mit Film sonst nichts zu tun und wenig Zeit dafür hat. Deshalb die detaillierte Vorbereitung, deshalb ein Team, in dem jeder seine Aufgabe vorausschauend wahrnimmt. Als etwa die Merck-Krebsforscherin Mireille Krier mit 3-D-Brille den „Set“ betritt, um mit Kollegen ein dreidimensional projiziertes Molekül zu diskutieren, hatte das Team alles eine gute Stunde lang vorher aufgebaut: Kamera aufgestellt, Objektive ausprobiert, Entfernungen gemessen, auf den Hintergrund geachtet, ausgeleuchtet. Gedreht wird die Szene im Labor dann innerhalb von weniger als fünf Minuten, in denen alles reibungslos läuft. Manchmal im wahrsten Sinne: „ND6 raus, ND9 rein“, sagt Kadar hinter der Kamera, mehr wie zu sich selbst. Sofort aber spurtet seine Kollegin Melanie Vetter los („ND9 läuft.“), um einen Objektivfilter zu holen, der der neuen Lichtstimmung entspricht.
Gedreht wurde der Film im Kinofilm-Format, 35 Millimeter. Jeden Abend landen die belichteten Rollen in einem Kopierwerk, wo sie entwickelt, bearbeitet und digitalisiert werden: „Mit diesem Material erzielen wir die sattesten Farben, die subtilsten Kontraste“, begründet Laszlo Kadar den erheblichen Aufwand, den klassische Technik bedeutet.
Auf drei bis vier Minuten ist der fertige Film angelegt, so viel ist während der Dreharbeiten schon sicher, für die sich auch Karl-Ludwig Kley, der Vorsitzende der Geschäftsleitung von Merck, am Set in Darmstadt interessiert: „Ich bin schon gespannt auf das Ergebnis“, sagt er im Gespräch mit Laszlo Kadar. Und beide scheinen zu wissen, dass bei dieser Begegnung nur das Beste herauskommen kann.