Schimmernde Schichten
Die Grundtechnik, in der es Merck zu Meisterschaft und Marktführung gebracht hat, beruht auf dem Schicht-Substrat-Prinzip: Auf feine Trägerplättchen, etwa aus mineralischem Glimmer bestehend, werden sehr dünne Metalloxidschichten aufgebracht. So entsteht der klassische Perlglanz, der beinahe synonym ist mit Iriodin, mittlerweile schon einer Traditionsmarke von Merck. „Bei der natürlichen Perle funktioniert das übrigens genauso“, erklärt Professor Pfaff, „denn die Muschel hüllt mineralische Stoffe in eine Abfolge von Proteinschichten ein und der sich daraus ergebende Wechsel von hoch und niedrig brechenden optischen Schichten lässt die Perle schimmern und glänzen.“
Mikrometerkleine Glanzstücke im ganz großen Maßstab
Die jüngste Generation der Merck-Pigmente auf Basis von Glasplättchen ist in winzigste Teilchengrößen vorgestoßen – die kleinsten haben einen Durchmesser von zehn Mikrometern (siehe Kasten). „Dennoch muss es uns gelingen, sie auch im großtechnischen Maßstab herzustellen“, erläutert Pfaff. Denn auch die Toleranzen der Fertigung schrumpfen mit: Würde die Schichtdicke der Pigmente um nur wenige milliardstel Meter schwanken, sähen sie gleich anders aus. „Wenn wir ein neues Pigment entwickelt haben, das uns im Labor gut gefällt, entwickeln wir mit unseren Kollegen vom Technikum einen Prozess im Maßstab von bis zu 500 Litern. Bald haben wir einige Kilogramm, die wir prüfen. Wenn wir zufrieden sind, können wir zu größeren Mengen übergehen.“ In einem Punkt ist sich Pfaff, der bereits seit 18 Jahren bei Merck forscht, sicher: „Es wird weiter überraschende Innovationen geben. In der Zeit, in der ich hier arbeite, wurde ich immer wieder tief beeindruckt von den Ideen, die wir umsetzen konnten. Und wir haben neue Ideen, die wir umsetzen werden. Welche genau, das verrate ich freilich noch nicht.“
| Schönheit allein reicht nicht |
| Kontinuierliche Innovation hat Iriodin, dem bewährten Perlglanz-Pigment von Merck, eine ganze Schar jüngerer Geschwister beschert, von denen viele nicht nur Schönheit, sondern auch großen Zusatznutzen schaffen: Minatec®-Pigmente leiten den Strom und können so die unerwünschte statische Aufladung einer Oberfläche abführen. Solarflair® kann Wärme aus damit beschichteten Gewächshäusern fernhalten, indem es gezielt das dunkelrote Licht stoppt. Lazerflair® macht Kunststoffe mittels Laserstrahlen markierbar. Und die jüngsten Familienmitglieder sind die Miraval®-Pigmente: Wie viele jüngere Entwicklungen beruhen sie nicht mehr auf natürlichem Glimmer: Sie haben synthetisch gewonnene Borosilikat-Träger, was ihnen zu besonders intensiven Regenbogeneffekten und großer Brillanz verhilft. Dabei sind sie winzig klein, was Produktdesignern eine besonders feine Glanz-Gestaltung ermöglicht: Die neuesten Pigmente der Miraval®-Magic-Reihe weisen Teilchengrößen bis hinunter zu 20 Mikrometern auf, die der Miraval®-Scenic-Reihe sind mit zehn Mikrometern sogar noch kleiner. Ihre Beschichtungen besitzen Dicken von 50 bis mehreren Hundert Nanometern. |

© Merck
Prof. Dr. Gerhard Pfaff, Professor für anorganische Chemie und Merck-Mitarbeiter: "Es wird weiter überraschende Innovationen geben."