Am schönsten findet Professor Dr. Gerhard Pfaff die Gemälde von Jan van Eyck: Der berühmteste Meister der altniederländischen Malerei – er lebte etwa von 1390 bis 1441 – ist der Schöpfer des Genter Altars und vieler prachtvoller Gemälde, die den Pariser Louvre ebenso wie die Londoner Nationalgalerie oder die Gemäldegalerie in Berlin zieren. „Es ist faszinierend, wie die Farben strahlen, wie der Künstler damit umzugehen verstand“, sagt der Merck-Mitarbeiter und Professor für anorganische Chemie an der Technischen Universität Darmstadt, „besonders schön ist das Blau.“
Neben der geübten Hand ihres Schöpfers hatten auch spätmittelalterliche Werkstoff-Spezialisten großen Anteil an der Strahlkraft der van Eyck’schen Farben. „Als Fachleute für ‚Pigmente’ haben sie dies erst möglich gemacht“, erklärt Pfaff. Und weiter: „Einen farbgebenden Stoff, der in seinem Träger nicht löslich ist, nennen wir ein Pigment, und die Produzenten dieses Blaus müssen sich bereits erstklassig darauf verstanden haben, es aufzubereiten, in der angemessenen Feinheit zu zermahlen und zu mischen.“
Diese Expertise verbindet van Eycks Lieferanten mit Pfaff: Auch er ist ein renommierter Spezialist für Pigmente. Deren Technologie gehört mittlerweile schon zu den Traditionsgeschäften von Merck, und obwohl die Menschen seit Tausenden Jahren Umgang mit Pigmenten pflegen – der gemahlene ultramarinblaue Lapislazuli-Stein, zerstoßene Kohle oder zerstampftes Eisenoxid sind Beispiele – , gelingen seinem Team auch heute noch immer wieder staunenswerte Innovationen.
Tägliche Erleuchtung
Denen begegnen wir im Alltag überall. Moderne Pigmenttechnologien machen ihn bunter und schöner: Die morgendliche Zahncreme grüßt mit glänzenden Farbstreifen, die Körperlotion gibt der Haut einen dezenten Glanz. Rasiercreme kann durch ein sanft grünliches, lichtbrechendes Effektpigment bereichert werden, das kleine Rötungen nach der Rasur unsichtbar macht. Auch die Seife hat einen lavahaften, glanzvollen Fluss. Pigmente sind es, die vieles schöner machen.
Vor allem aber bieten die winzigen, raffinierten Licht-Akrobaten auch große praktische Vorzüge. Dass etwa Autolacke während der „natürlichen Lebensdauer“ eines Fahrzeugs bleichen, gehört lange der Vergangenheit an – wobei Merck führend war: Schon vor 25 Jahren traten vollständig wetterstabile Pigmente ihren globalen Siegeszug an. Und auch bei einem modernen Nagellack oder Lippenstift ist auf Haltbarkeit, Farbtreue und gleichmäßige Anmutung Verlass. Seine Verpackung, aus modernen Kunststoffen gefertigt, verkörpert ebenfalls eine Wertigkeit und Ästhetik, die man früher einem „Plastikartikel“ niemals zugetraut hätte: Sie ist schön, haptisch angenehm und nicht selten auch von einem tiefen, leicht magisch anmutenden Glanz oder Schimmer. „Das ist die Wirkung der Effektpigmente“, sagt Gerhard Pfaff. „Sie sind die jüngsten Mitglieder der alten Familie der Pigmente und bieten besonders faszinierende optische Möglichkeiten.“
Erstaunlicherweise tun sie das vielfach, ohne selbst farbig zu sein: „Ihre Wirkung erzielen die Effektpigmente dadurch, dass sie das Umgebungslicht in besonderer Weise brechen und reflektieren“, erklärt Gerhard Pfaff. Oft sind daran mehrere Schichten beteiligt, durch deren ausgefeilte Kombination beispielsweise Farbwechsel – der sogenannte Color Travel – oder changierende Glanzeffekte möglich sind, je nachdem, aus welcher Richtung der Betrachter schaut.