Warmes Wasser simuliert die Reise durch den Körper

In die Formen der amerikanischen Tablettenpresse („Wir haben noch vieles daran modifiziert“, sagt Raunegger) werden zuerst die probiotischen Bakterien gegeben und zu einer fragilen Struktur vorgepresst, die an der Seite weniger als einen Millimeter misst. Darauf folgt die Mineralienschicht, dann die Vitamine. Am Schluss gerät die Tablette unter einem Druck von über zwei Tonnen in einen zähfließenden Zustand. Lässt der Druck nach, ist sie fest durch mechanische Verzahnung. Dann wird sie durch Bürsten entstaubt, um zum Befilmen in einen Coater zu gelangen, der in mehreren Stunden kontinuierlich eine Schutzschicht aufsprüht.

So jedenfalls sieht das im Groben aus. Doch überall, wo man genauer hinschaut, sind jene Details zu sehen, die in ihrer Summe eine gleichbleibend hohe Qualität sicherstellen. So ist die Tablettenpresse beim Betrieb vom unweigerlich anfallenden Staub der Substanzen freizuhalten, damit weder die Rezeptur durcheinandergerät noch die auch farblich unterschiedlichen Schichten optisch verunreinigt werden. „Der Mengenzulauf wird durch Zuwiegen kontrolliert“, erklärt Raunegger. Außerdem müsse wegen sich summierender Fehlermöglichkeiten die Genauigkeit jeder einzelnen Messung besonders hoch sein.

Ob alles stimmt, zeigt sich bei der Prüfung von Exemplaren jeder Charge nach Gewicht, Härte, Dicke, der zum Durchbrechen aufzuwendenden Kraft sowie der Zeit, in der sich die Tablette in 37° Celsius warmem Wasser auflöst. Damit wird die Passage durch den menschlichen Körper simuliert: Verschwindet die Tablette vor der Zeit im Wasser, erreichen die probiotischen Bakterien nicht mehr ihre Wirkungsstätte, den Darm.

Schließlich werden die Bion®3-Tabletten in Dosen zu 30, 60 und 90 Stück gefüllt, wobei man getrost nachzählen mag – der fotoelektrische Apparat am Ende der Produktionsstraße macht keine Fehler.

„Jede dieser Tabletten“, sagt Klaus Raunegger und lässt ein paar durch die Hand rieseln, „ist wie ein kleines Kunstwerk.“ Die galenischen Erfordernisse führen zu einem anspruchsvoll zu fertigenden Produkt von hohem, gar ästhetischen Reiz. Aus diesem Konzept, das sie in Spittal bislang zusammengerechnet vielmilliardenfach beherrscht haben, ließen sich in Zukunft noch andere Tabletten machen. Welche? Doch mit dieser Frage, übrigens der einzigen, lässt uns Klaus Raunegger allein.

 

Klaus Raunegger, Geschäftsführer bei Merck Spittal
© Merck
Klaus Raunegger, Geschäftsführer bei Merck Spittal