Reinigung durch Osmose

„Die Dialyse reinigt das Blut von den Harn- und Giftstoffen, die anfallen, wenn die Niere nicht mehr ausreichend arbeitet“, erklärt Anja Siemers. Es gibt zwei Möglichkeiten der Dialyse: Die Peritonealdialyse, die auch Zuhause durchgeführt werden kann, aber nicht für jeden Patienten geeignet ist, und die Hämodialyse. Bei der Peritonealdialyse, auch Bauchfelldialyse genannt, wird das Bauchfell (griechisch: Peritoneum) als natürliches Filterorgan genutzt, um den Körper von Giftstoffen zu befreien. Die Hämodialyse, wie sie bei Barbara Schmidt angewendet wird, funktioniert über einen venösen Zugang. Der sogenannte „Shunt“, eine künstlich hergestellte Verbindung zwischen Arterie und Vene, wird dazu „punktiert“, das Blut an dieser Stelle aus dem Körper geleitet. Es durchläuft nun den sogenannten Kapillarfilter, das Herzstück der Dialysemaschine.

„Durch die vielen feinen Kapillaren läuft das Blut und wird vom Dialysat umspült, das Reinwasser mit den entsprechenden Elektrolytzusammensetzungen enthält“, erklärt Anja Siemers den Prozess. „Das Dialysat nimmt durch den osmotischen Prozess die Giftstoffe auf und wird schließlich ausgeleitet. Das gereinigte Blut wird mit Elektrolyten versetzt und dem Körper zurückgeführt.“ Geliefert wird das Dialysat von unterschiedlichen Herstellern, die ihre Zusatzstoffe wie Calcium-, Magnesium-, Natrium- und Kaliumchlorid sowie Natriumbicarbonat und Natriumacetat von der Chemischen Fabrik Lehrte beziehen. Diese ist Teil der Merck-Gruppe.
Barbara Schmidt weiß genau, welchen Dienst die Maschine neben ihrem Bett leistet. Sie hat sich jeden Schritt erklären lassen und fragt noch heute kritisch nach, wenn etwas verändert wird. Viele Patienten würden sich einfach hinlegen und die Dinge mit sich machen lassen, wundert sie sich. Andere seien ängstlich und hingen die ganze Zeit dem Gedanken nach, welches schwere Schicksal sie doch ereilt habe. Barbara Schmidt hingegen ist ein pragmatischer Typ. Wenn sie jemand fragt, ob sie nicht manchmal verzweifle am Gedanken, warum es ausgerechnet sie getroffen habe, antwortet sie: „Das darf man nicht denken.“ Sie erlaubt kein Mitleid. Nicht von anderen und erst recht nicht von sich selbst. „Wohin bringt mich das denn?“, fragt sie mit fester Stimme. „Es ist, wie es ist, und nun muss ich das Beste daraus machen.“
Als im vergangenen Jahr die Diagnose Brustkrebs ihr einen Strich durch die Transplantationsrechnung machte, zögerte sie nicht lange und ließ sich beide Brüste abnehmen. „Ich brauche sie nicht mehr und sie hätten mich nur Zeit gekostet“, sagt sie. Lebenszeit, die sie länger an der Dialyse verbringen muss, statt zu wandern, sich mit Freunden zu treffen, zu reisen. Krebspatienten werden von der Transplantationsliste genommen, bis sie als geheilt gelten. Das dauert bis mindestens fünf Jahre nach einer Chemotherapie. Eine Zeit, die Barbara Schmidt nun mit ihrer radikalen Entscheidung auf zwei Jahre abkürzen konnte. So lange wartet sie noch, sieht es Winter und wieder Sommer werden und stellt sich dreimal die Woche den Wecker auf fünf Uhr.

 

Qualitätskontrolle der Zusatzstoffe für Dialysate bei der Chemischen Fabrik Lehrte
Qualitätskontrolle der Zusatzstoffe für Dialysate bei der Chemischen Fabrik Lehrte
© Merck