
Mercks Chemikalienkatalog lotst durch über 10000 chemische Verbindungen
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Mit dem „Pharmaceutisch-chemischen Novitäten-Cabinet“ fing 1827 alles an. Diese „Erste Lieferung sechszehn der vorzüglichsten vegetabilischen Grundlagen und deren salzfähige Verbindungen“ des Apothekers Emanuel Merck kann als die Urmutter aller Merck-Chemikalienkataloge bezeichnet werden. Das kleine Heftchen hat sich seitdem gewaltig gemausert: Mit einer Auflage von 450000 Exemplaren und Verbreitung in 120 Ländern kann es der Katalog heute locker mit den Top-Ten auf Bestsellerlisten aufnehmen.
Aus den ehemals 16 chemischen Verbindungen sind mittlerweile mehr als 10000 geworden – ein Gewirr an chemischen Produkten, in dem man sich leicht verirren kann. Eine alphabetische Auflistung reicht da schon lange nicht mehr aus. Gut, wenn man gleich auf den ersten Seiten an die richtige Stelle gelotst wird: Zu den Hilfsmitteln für die Chromatographie etwa oder zu den kosmetischen Rohstoffen. Oder zu den Pigmenten, den Bestimmungen für die Entsorgung oder die Lagerung von Chemikalien oder einfach zu den Summenformeln.
Mercks Chemikalien- und Reagenzienkatalog
Der globalisierte Katalog
Die Herstellung von 450000 Katalogen ist ein hoch technisierter Prozess – gesteuert von Dieter Hartmann, der als Leiter der Katalogproduktion in Darmstadt alle Fäden in der Hand hält. Und der zu Recht stolz auf „sein“ Produkt ist, das er mit einem Kernteam von vier Mitarbeitern gestemmt hat. „Es ist ein gutes Gefühl, wenn man am Ende sieht, was man gemacht hat“, sagt er.
Und in der Tat, sehen kann man viel: Jeder Katalog hat fast 1900 Seiten und wiegt mehr als zwei Kilogramm. Würde man alle Kataloge übereinander stapeln, ergäbe das eine Säule von mehr als 20 Kilometern. Das ist mehr als doppelt so hoch wie der Mount Everest. Gigantische, nicht vorstellbare Zahlen, hinter denen sich 24 verschiedene Katalogversionen verbergen – mit Hauptteilen in je sechs Sprachen, 19 verschiedenen Vorspannversionen und zwölf verschiedenen Preislisten.
So gibt es zum Beispiel den bulgarischen Katalog mit englischem Hauptteil und kyrillischem Vorspann oder den Katalog für Japan, bei dem sowohl der Vorspann als auch der Hauptteil in japanisch geschrieben sind. Die komplexen Produktionsabläufe und hohen logistischen Anforderungen sind nur mit dem „Advanced System for Information Management“ (ASIM) zu bewältigen.