
© Merck
Entdeckten neuartige Eiweißstoffe mit medizinischem Potenzial (von links): Jeffrey Shaw, Amanda Proudfoot und Christine Power wurden hierfür mit dem „R&D Scientific Excellence Award 2009" von Merck Serono ausgezeichnet
Eine neue Proteinform wird entdeckt
Eine erste Überraschung steckte dabei schon in der Protein-Sequenz, die von der neu identifizierten DNA encodiert wurde: Bei dem Zecken-Protein handelte es sich um eine völlig neue, bislang unbekannte Klasse von Eiweiß-Stoffen. „Eine neue Proteinform, das ist etwas, worüber man sich als Wissenschaftler so richtig freut“, sagt Jeffrey Shaw. Dem Mann mit der ruhigen Ausstrahlung und der tiefen Stimme sieht man das Entdecker-Vergnügen noch heute an. Er ist der Dritte im Bunde: Der Bio- und Chemoinformatiker hat mittels Kristallstrukturanalyse die Gestalt des Evasins bis ins letzte Atom bestimmt und gezeigt, wie es an die menschlichen Botenstoffe andockt. Inzwischen haben die drei Wissenschaftler zwei weitere, ähnliche Eiweißstoffe im Zeckenspeichel gefunden und charakterisiert, die jeweils an leicht unterschiedliche Chemokine des Menschen binden. Die Zecken produzieren die drei Evasine zeitlich versetzt während sie Blut saugen, vermutlich genau abgestimmt auf die Reaktion des Immunsystems in ihrem Wirt.
Nach dem Vorbild der Evasine versuchen Proudfoot und ihre Mitarbeiter nun, wirksame Arzneien zu entwickeln. In ersten präklinischen Versuchen haben die Evasine bereits ihr Potenzial gezeigt bei der Behandlung entzündliche Krankheiten wie Rheumatoider Arthritis oder Schuppenflechte. Für ihre Arbeit erhielten Proudfoot, Power und Shaw den „R&D Scientific Excellence Award 2009“ von Merck Serono.