Das Risiko des Reisens
Reisen war immer schon riskant. Blaise Pascal erkannte im 17. Jahrhundert, alles Unglück der Menschen komme daher, dass sie nicht ruhig in einem Zimmer verweilen können. Das hätte James Cook lesen sollen. Seine dritte Südsee-Reise war seine letzte, er wurde am Strand von Hawaii erstochen. Aber Reisen bringt oft auch den Bereisten Unglück. Kolumbus und seine Nachfolger hatten nicht nur bunte Glasperlen an Bord, sondern auch tödliche Erreger. Grippe, Pocken und Cholera rotteten ganze Indianerstämme aus. Im Gegenzug brachten die Entdecker nicht nur Kartoffeln und Tomaten aus der Neuen Welt mit nach Europa, sondern auch die Syphilis. Globalisierung und vermehrtes Reisen vieler Menschen setzen diese Risiken bis heute fort. In Südfrankreich und Kroatien gab es erste Fälle von Dengue-Fieber-Erkrankungen. Und wer seine Kinder nicht gegen Masern impfen lässt, trägt dazu bei, dass diese Krankheit sich wieder weiter ausbreitet, auch in fernen Ländern, in die Deutsche gerne reisen.
Eine alte Bekannte, die dem Reisenden in vielen Ländern begegnet, ist „Montezumas Rache“, medizinisch Diarrhö und im Volksmund Durchfall genannt. Marcus F. hat nur einmal sein Heimatdorf „ohne meine Kohletabletten“ verlassen. „Nach fünf Wochen Interrail landeten wir in Istanbul und haben uns den Magen vollgeschlagen mit all diesen öligen, fettigen, überbackenen Gerichten aus den kleinen Buden.“ Der Apotheker empfahl den unentspannt wirkenden jungen Männern „coal-tablets“. Die kleinen rabenschwarzen Pillen sind zwar etwas mühsam zu schlucken, helfen aber schnell. Und das seit rund 90 Jahren: Zusammen mit den Firmen Boehringer und Knoll gründete Merck 1914 das Unternehmen MBK und führte 1916 die ersten Compretten aus medizinischer Kohle „als wirksamstes Mittel zur Behandlung akuter oraler Vergiftungen“ ein. Als Prophylaxe wiederum hilft jene Regel, die zwar jeder kennt, die aber angesichts der Verlockungen bunter Märkte immer wieder gerne vergessen wird: Wash it, cook it, peel it, or forget it – waschen, kochen, schälen oder (liegen) lassen.

Marktstand mit gefälschten Medikamenten: Die Weltgesundheitsorganisation WHO schätzt, dass bis zu 30 Prozent der in Asien, Afrika und Lateinamerika verkauften Medikamente Fälschungen sind
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Aber immer nur in den luxuriösen Hotels zu essen und nie auf der Straße, kann auch keine Lösung sein. Und hilft im Zweifelsfall nicht einmal, wie die Autorin dieser Zeilen erfahren musste. Sie reiste durch Marokko, im Hohen Atlas. Nur zusammen mit einem Bergführer und einem Eselstreiber, übernachtet wurde draußen oder in schäbigen Hütten. Ziel der Tour war der über 4000 Meter hohe M’Goun. Das Essen unterwegs war, nun ja, einfach. Der Eselstreiber holte etwas aus seinen Taschen und das wurde über dem Feuer zubereitet. Der Autorin ging es blendend, die Bergbesteigung war ein Erlebnis. Am Ende der Reise übernachtete sie zwei Tage in Marrakesch, in einem teuren Hotel. Am ersten Abend verdarb sie sich im noblen Hotel-Restaurant dermaßen den Magen, dass sie das Hotelbett für den Rest der Reise nicht mehr verließ.
Generell sind Reisende auf der sicheren Seite, wenn sie ihre wichtigsten Medikamente von zu Hause mitbringen. Medikamentenfälschungen sind nicht nur bei Internet-Bestellungen ein schwieriges Thema, sondern auch im Ausland. Nicht immer ist drin, was drauf steht.
Gegen eine Krankheit ist allerdings kein Kraut gewachsen: Reisefieber. Die Großmutter lief in den Nächten, bevor es auf Kreuzfahrt ging, Gräben um den Wohnzimmertisch, die vielreisende Enkelin stellt drei Wecker, um nicht zu verschlafen, und macht doch kein Auge zu und die Ur-Enkelin liegt mit Fieberschüben flach, bevor es ins Ferienhaus nach Dänemark geht. Besorgniserregend ist das allerdings nicht: Sobald das Schiff ablegt, der Flieger startet, Papa die Luftmatratze im Familienkombi verpackt hat, sind alle Übel wie weggeblasen. Wir reisen!