Fakten über Cyanidvergiftungen


Das Risiko

Die Gefahr von Cyanidvergiftungen bei Bränden ist in Industrieländern besonders hoch. Denn wo Menschen wohnen und arbeiten, sind sie von immer mehr Kunststoffprodukten umgeben – und sehr viele Kunststoffe enthalten Cyanide. Wenn diese Stoffe brennen, setzen sie Cyaniddämpfe als Teil der Rauchgase frei. In der öffentlichen Wahrnehmung gilt die Kohlenmonoxidvergiftung meist als die mit Abstand gefährlichste Folge einer Rauchgasinhalation. Eine aktuelle Studie der Berufsfeuerwehr Paris unterstreicht allerdings, dass Vergiftungen durch Cyanid mindestens ebenso gefährlich sind: 87 Prozent aller Brandtoten wiesen toxische Cyanid-Mengen im Blut auf.

Die Vergiftung

Cyanid ruft eine sogenannte innere Erstickung hervor. Dabei bindet es sich an das 3-wertige Eisen des Enzyms Cytochrom-c-Oxidase an, das für die Atmungskette in den Mitochondrien der Zelle gebraucht wird. So kommt die innere Atmung oder Zellatmung mit ihrer Adenosintriphosphat-Produktion zum Erliegen.

Die Therapie

Um dem Patienten zu helfen, werden Wirkstoffe verabreicht, zu denen die Cyanidionen eine höhere Affinität haben als zur Cytochrom-c-Oxidase. Wirkstoffe wie der Methämoglobinbildner 4-Dimethylaminophenol werden dabei erst gegeben, wenn mittels Bluttest die Wahrscheinlichkeit einer Cyanidvergiftung bestätigt worden ist. Denn diese Therapie verlangt anschließend weitere Schritte in der Behandlung wie die Gabe von Natriumthiosulfat, um das Cyanid wieder aus dem Blut auszuscheiden.

Cyanokit®

Bei Hydroxocobalamin, dem Wirkstoff von Cyanokit®, entfällt die für 4-Dimethylaminophenol typische Einschränkung der Sauerstoffaufnahme durch blockiertes Hämoglobin im Blut. Jedes Hydroxocobalaminmolekül kann ein Cyanidion binden. Das dabei entstehende Cyanocobalamin ist eine stabile, ungiftige Substanz, die über die Niere ausgeschieden wird. Cyanokit® kann also auch auf Verdacht und bei gleichzeitiger Kohlenmonoxidvergiftung verabreicht werden.
Praktisch und schnell: Cyanokit darf nicht nur von der Besatzung von Rettungswagen angewendet werden, sondern auch von speziell geschulten Werkfeuerwehrleuten
© Peter Thomas
Praktisch und schnell: Cyanokit darf nicht nur von der Besatzung von Rettungswagen angewendet werden, sondern auch von speziell geschulten Werkfeuerwehrleuten  
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