Ein konkretes Beispiel für die Cluster-Arbeit liefert das Projekt „Polytos“, das in diesem Jahr von sechs Unternehmen und drei Universitäten gestartet wurde. Ziel des Projektes ist es, neue Materialien, Konzepte, Bauteile, Herstellungsverfahren und Software für „Smart Labels“ zu entwickeln. Smart Labels sind organische und gedruckte Schaltungen mit integrierten Speichern und Sensoren, die samt Antenne auf Verpackungen geklebt werden, um per Funk Informationen über deren Inhalt und Standort zu versenden.
So zieht der Einzelhandel in Erwägung, künftig alle Joghurtbecher mit Smart Labels zu versehen, um die Verfügbarkeit dieser Massenware im Verkaufsregal kontrollieren und dabei gleichzeitig die Überschreitung des Haltbarkeitsdatums verhindern zu können. Zwar lassen sich Smart Labels auch mit Siliziumtechnologie verwirklichen. Allerdings nicht für Herstellungskosten von einem Cent, wie sie vom Einzelhandel gefordert werden. „Als Materialhersteller suchen wir daher nach neuen Formulierungen für Tinten, die sich für den Rolle-zu-Rolle-Druck eignen“, schildert Geelhaar eine der Fragestellungen, auf die sich Merck bei „Polytos“ konzentriert. Zwar sind Tinten aus dem Papierdruck wohl bekannt. „Für elektronische Anwendungen aber müssen sie besonders hohe Anforderungen an die Mobilität der Ladungsträger, die Auflösung, die Reinheit und die Fehlertoleranz erfüllen.“
Studiengang „Master of Organic Electronics“
Gemeinsam mit fünf anderen namhaften Firmen aus Chemie, Maschinenbau und Informationstechnologie sowie den Universitäten in Heidelberg und Mannheim hat Merck im Juni 2008 darüber hinaus die InnovationLab GmbH in Heidelberg gegründet. Das Unternehmen, an dem Merck mit 8,3 Prozent beteiligt ist, will die Forschungslandschaft befruchten, indem es Hochschulen und Industriebetriebe aus der Rhein-Neckar-Region vereint, die die gesamte Wertschöpfungskette der organischen und gedruckten Elektronik abbilden. „Damit setzen wir ein deutliches Zeichen im internationalen Wettbewerb der Regionen und heben das Thema Forschungsverbund auf eine neue Qualitätsstufe“, ist Geelhaar überzeugt. „Denn hier finden sich Experten für Material, Elektronik-Design, Drucktechnologie und Anwendungen auf engstem Raum zusammen.“
Diese Nähe soll nicht nur den fachlichen Austausch der Partner untereinander fördern, sondern auch die Forschungskosten, beispielsweise durch die gemeinschaftliche Nutzung von Großapparaten, begrenzen. Außerdem soll sie sicherstellen, dass es in der Region künftig nicht an Fachkräften fehlen wird. So hat das InnovationLab mit den beteiligten Universitäten Heidelberg und Karlsruhe den Studiengang „Master of Organic Electronics“ konzipiert, der ab Wintersemester 2010/2011 angeboten werden soll. „Das ist sehr innovativ“, freut sich Geelhaar. „Das gibt es sonst nirgendwo.“

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