Jodmangel frühzeitig vor Ort erkennen

02.03.2010
Bei Jodmangel kann die Schilddrüse bestimmte Hormone nicht produzieren. Die aber sind essenziell für bestimmte Körperfunktionen. Eine Ultraschall-Untersuchung der Schilddrüse bietet eine Früherkennung der unzureichenden Versorgung. Seit 1993 fahren „Thyromobile“ als Arztpraxen auf vier Rädern durch fünf Kontinente. „M – Das Entdeckermagazin“ war in Köln dabei.

 

Drei baugleiche Thyromobile sind weltweit unterwegs, um über Jodmangel zu informieren und um vor allem Schulkinder zu untersuchen
© Merck
Drei baugleiche Thyromobile sind weltweit unterwegs, um über Jodmangel zu informieren und um vor allem Schulkinder zu untersuchen  
Es sind ja nur drei Minuten. Der Arzt Dr. Amir Sabet streicht den Hals seines Probanden mit einem Gel ein und fährt gefühlvoll mit dem Ultraschallkopf darüber. Auf dem Monitor zeigt sich das Bild der Schilddrüse von Dr. Joachim Schwab. Der Abteilungsdirektor bei der Bezirksregierung Köln, unter anderem zuständig für Umwelt- und Arbeitsschutz seiner Behörde, geht mit gutem Beispiel voran: „Zu unseren Gesundheitstagen haben wir auch das Thyromobil gebeten“, sagt er, steht von der Liege auf und lässt sich vom Arzt den Befund erläutern.
Seit 1993 ist das Thyromobil in heute dreifacher Ausfertigung unterwegs. Christian Schintag von Merck ist für seinen Einsatz zuständig. „Entstanden ist diese Idee, als wir Daten über Jodmangel und damit assoziierte Schilddrüsenerkrankungen erheben wollten“, erinnert sich der Diplom-Biologe und Gesundheitsökonom.

Mikrogramm, die wichtig sind


Mangelerkrankungen in Industriestaaten? Ja, wenn es um das Spurenelement Jod geht, kommt sogar das vor. Der Körper benötigt täglich zwischen 150 und 200 Mikrogramm dieses 1811 erstmals aus der Asche von Meeresalgen isolierten Elementes, um Schilddrüsenhormone zu produzieren. Diese steuern dann Sauerstoffverbrauch sowie Wärmeproduktion und beeinflussen zahlreiche weitere Körperfunktionen – vom Wachstum bis zur Muskelaktivität – und wirken auf das Zentralnervensystem. Fehlt Jod, so sind die ersten Anzeichen einer Schilddrüsenerkrankung oft nicht weit: geschwollene Augenlider etwa oder das Gefühl, müde und antriebslos zu sein.
Im weiteren Verlauf kann ein Kropf, von Medizinern als „Struma“ bezeichnet, entstehen. Er ist die deutlichste und unübersehbare Folge von Jodmangel, aufgrund dessen er in neun von zehn Fällen entsteht. Die einzige wirksame Vorbeugung gegen Jodmangel besteht darin, das Element zuzuführen. Doch das ist schon bei normaler Ernährung nicht immer einfach. Denn die letzte Eiszeit wusch das Element aus und schwemmte es ins Meer. Daher sind die meisten natürlichen Lebensmittel arm an Jod – bis auf Meeresfrüchte, Seefische und Algen.
„Wer also zu wenig Fisch isst und kein jodiertes Speisesalz verwendet“, sagt daher Christian Schintag, „dessen Schilddrüse könnte unter Jodmangel leiden.“ Diesen zu erkennen, ist die Aufgabe der Thyromobile. Diese rollenden Arztpraxen auf der Basis eines Mercedes 310 sind – einschließlich Klimaanlage und Kühlschrank – mit allem ausgestattet, was die sorgfältige Untersuchung von täglich etwa 120 Probanden erlaubt.
Rund 45000 Patienten wurden im Thyromobil bereits untersucht
© Merck
Rund 45000 Patienten wurden im Thyromobil bereits untersucht  
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