Klinische Prüfung im Weltmaßstab

Die laufende Erprobung von Stimuvax ist ein weltweites Großprojekt. Wie so häufig in der klinischen Prüfung tragen die Teilprojekte einprägsame Namen; INSPIRE zum Beispiel nennt sich die in Asien 2010 begonnene Studie zum Lungenkrebs, START heißt eine weitere, ihr vorauseilende weltweite Phase-III-Studie. Wie üblich in der Forschung sind es klingende Abkürzungen: START etwa bedeutet „Stimulating Targeted Antigenic Responses to NSCLC“. NSCLC ist eine „normale“ Abkürzung, sie steht für das nicht-kleinzellige Bronchialkarzinom, das 80 Prozent aller Lungenkrebsfälle ausmacht.
Für das Stimuvax-Team wie für jede Arbeitsgruppe, die ein innovatives Produkt zum Erfolg führen möchte, bergen die erwarteten Studienergebnisse ebenso Hoffnung wie Spannung. Schon in der Phase-II-Studie war die mittlere Überlebenszeit in einer Untergruppe der beteiligten, bereits sehr schwer erkrankten Patienten von 13,3 auf 30 Monate angestiegen. Jetzt gilt es, die erwartete Wirksamkeit mit einem breiten statistischen Sockel zu fundieren. Der Bedarf an neuen Therapien in der Tumortherapie ist noch immer groß: „Schon 2004 hat die US-Arzneimittelbehörde FDA Stimuvax für ein beschleunigtes Zulassungsverfahren ausgewählt“, erklärt Bernd Schneider-Lowitz, international für die Marke Stimuvax verantwortlich. Das Fast-Track-Verfahren beschleunigt die amtliche Prüfung der Krebsimmuntherapie, ohne jedoch deshalb weniger gründlich zu sein.
Dabei sind viele Hürden zu nehmen, große Datenmengen zu bewältigen, Tausende von Gesprächen mit Patienten zu führen, klinische Forscher auf mehreren Kontinenten zu koordinieren. Doch jeder Zentimeter auf diesem Weg kann ein Beitrag sein zu einem großen Schritt für die Menschheit. Denn die hätte einst auch nicht zu hoffen gewagt, Infektionen wie die Pocken einmal vollständig zu bezwingen. Dass dies beim Krebs um einiges kühner erscheint, weiß jeder Forscher – doch das ist nur ein Grund mehr, auf innovative Ansätze wie die Immuntherapie gegen den Tumor zu setzen.

 

Michael Wolf, Leiter der Gruppe „Angewandte Immunologie“ bei Merck
© Merck
Michael Wolf, Leiter der Gruppe „Angewandte Immunologie“ bei Merck