Galenik braucht Detektive und Erfinder
Der scheinbar so einfache Prozess ist ein Ergebnis langer Versuchsreihen – Alltag für die Forschung in der Pharmazeutischen Technologie. Denn moderne Galenik beschreitet ständig neue Lösungswege, die kreative Verfahren verlangen. Wer in diesem Bereich arbeitet, braucht die Fähigkeiten eines Detektivs und eines Erfinders. „Wir müssen Sherlock Holmes und Daniel Düsentrieb zugleich sein“, sagt deshalb Torsten Selzer, Laborleiter in der Galenik von Merck.
Die in 1956 gegründete Abteilung umfasst allein in Darmstadt neun Entwicklungslabore und zwei Herstellbereiche. Hier entwickeln Galeniker jedoch nicht nur Darreichungsformen neuer Arzneimittel. Sie stellen auch Kleinchargen für die Tests in der präklinischen und der klinischen Entwicklung her – samt der entsprechenden Placebos. Ist ein Arzneimittel erfolgreich getestet und zugelassen, geht das Produkt von der Galenik in die Fertigung.
Von der Pille zum „Drug Targeting“
Dass die Galenik nach einem antiken Arzt benannt ist, mag verwirren. Denn sie ist eine absolut moderne Disziplin in der Pharmazie. Galenos dürfte vor allem wegen seiner Rezeptsammlungen als Namensgeber gedient haben. Mit seiner praktischen Arbeit verbinde ihre Forschung in der modernen Galenik dagegen kaum etwas, meint Alena Wieber. Das liege schon in der Trennung zwischen Medizin und Pharmazie begründet, die sich in Deutschland seit dem Mittelalter durchgesetzt hat.
„Der eigentliche Durchbruch der Galenik kam mit der Industrialisierung“, erklärt Torsten Selzer. Damals kamen Tabletten und Infusionslösungen auf, die neue Möglichkeiten für die Verabreichung von Wirkstoffen boten: Die neuen Arzneimittel waren oft wirksamer, verträglicher und einfacher unter reproduzierbaren Bedingungen herstellbar. Der Unterschied zur von Hand gerollten Pille war enorm.
Die Zukunft der Galenik gehört heute nicht so sehr einer bestimmten Darreichungsform. Vielmehr arbeitet die Pharmazeutische Technologie daran, die Wirksamkeit von Arzneimitteln weiter zu steigern. Dafür gibt es verschiedene Stellschrauben, beschreibt der Laborleiter: So können Arzneistoffe beispielsweise mit hoher Genauigkeit zeitversetzt abgegeben werden. Anspruchsvoller ist allerdings das sogenannte „Drug Targeting“. Dabei versuchen die Galeniker, den Wirkstoff gezielt zu einer bestimmten Stelle im Körper zu leiten, ihm quasi eine Adresse für seine Arbeit zu nennen. „Das ist noch eine Zukunftsvision“, sagt Selzer, „aber wir arbeiten daran.“