In Industrieländern ist am häufigsten das Kniegelenk von Arthrose betroffen
In Industrieländern ist am häufigsten das Kniegelenk von Arthrose betroffen
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Konzentration auf das Kniegelenk

Gegen Arthrose und akute Knorpelverletzungen schickt Merck nun den menschlichen Wachstumsfaktor FGF-18 ins Rennen. Die Abkürzung steht für das englische Wort „Fibroblast Growth Factor 18“. Dieses Biotherapeutikum regt die Bildung neuer Knorpelzellen an. Klaus Flechsenhar ist für die klinische Entwicklung von FGF-18 bei Merck Serono verantwortlich. Der Mediziner erläutert: „Weil dieser Wachstumsfaktor für Nachschub bei den Knorpelzellen sorgt, kann wieder neue Knorpelmatrix gebildet werden. Damit besteht die Chance, dass der durch Arthrose oder eine akute Verletzung bedingte Knorpelschaden durch echten, sogenannten ‚hyalinen’ Knorpel ausgeglichen wird, nicht durch den minderwertigen Reparaturknorpel. Dadurch könnte auch das für die Arthrose typische Ungleichgewicht zwischen Auf- und Abbau beendet werden. Allerdings stehen wir mit der klinischen Entwicklung von FGF-18 erst ganz am Anfang. Ob dieses Biotherapeutikum unsere Erwartungen erfüllen wird, werden wir erst in ein paar Jahren mit Sicherheit sagen können.“
Obwohl FGF-18 zur Behandlung sämtlicher Arthrosen und akuter Knorpelverletzungen in Frage kommen könnte, konzentriert sich Merck derzeit auf das Kniegelenk. Dort gibt es den größten Behandlungsbedarf. Die Therapie sieht vor, dass FGF-18 ins Knie gespritzt wird. Eine Behandlungssequenz besteht aus drei Injektionen, die im Abstand von einer Woche verabreicht werden. Bis zu zwei Sequenzen sind bisher getestet worden.
Merck hat bisher drei klinische Studien aufgelegt, zwei zur Kniegelenksarthrose und eine zu akuten Knorpelverletzungen im Knie. In der einen Arthrose-Studie wurden frühe, in der anderen späte Krankheitsstadien behandelt. Diese klinischen Prüfungen waren Studien der Phase I und Phase II. Sie dienten dazu, die Sicherheit von FGF-18 zu überprüfen und einen ersten Eindruck von seiner Wirkung zu bekommen. Anfang 2011 wurden nur noch Patienten für die Verletzungsstudie rekrutiert. Bei den beiden anderen war die Rekrutierungsphase bereits abgeschlossen.
Flechsenhar: „Wir haben die klinischen Studien noch nicht endgültig ausgewertet und ihre Ergebnisse veröffentlicht. Deshalb können wir noch keine Aussagen zur Wirksamkeit von FGF-18 machen. Allerdings können wir schon etwas zur Sicherheit sagen. In allen drei Studien sind bis zum jetzigen Zeitpunkt keinerlei Sicherheitsrisiken aufgetreten. Zur Wirkung werden wir zu einem späteren Zeitpunkt mehr sagen können.“

Biotherapeutikum: [syn.: Biologikum, Biological oder Biopharmazeutikum]

Gentechnisch hergestelltes Eiweiß, das gezielt in den Krankheitsprozess eingreift. Als Biotherapeutikum kommen vor allem körpereigene Botenstoffe und Antikörper in Frage. FGF-18 ist ein körpereigener Botenstoff.
Das Eiweiß setzt eine Signalkette in Gang, die zur Bildung neuer Knorpelzellen führt. Steigt deren Zahl, ist damit zu rechnen, dass auch wieder mehr Knorpelmatrix gebildet wird. Bislang sind noch keine Biotherapeutika zur Behandlung der Arthrose zugelassen worden.

 

Klaus Flechsenhar, medizinischer Leiter Rheumatologie bei Merck Serono
Klaus Flechsenhar, medizinischer Leiter Rheumatologie bei Merck Serono
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